Moto2: Schrötter lässt Traum vom Podium wahr werden

Marcel Schrötter feiert in Misano den dritten Platz und damit sein erstes Podium in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Beispiellose Leistung auch von Xavi Vierge, der mit Handverletzung kämpferisch auf den zehnten Platz fährt.

Er hat es schon lange verdient, doch bisher sollte einfach noch nicht sein. Im Grand Prix von San Marino hat es Marcel Schrötter endlich bei seinem 151. Grand-Prix-Rennen und 105. Moto2-Start ins Ziel gebracht und den Traum vom ersten Podium zur Realität werden lassen.

Seit einigen Rennen bereits gehörte Marcel Schrötter stets zu den Top-Jungs und in den Rennen zu den Podiumsanwärtern. Auch dieses Wochenende in Misano war er Schnellster am Freitag, Zweiter der Freien Trainings und sicherte am Samstag den zweiten Platz in der ersten Startreihe.

Während WM-Leader Francesco Bagnaia im 25-Runden-Rennen von Beginn an einen ordentlichen Vorsprung herausfuhr, kämpfte Marcel Schrötter dahinter mit Miguel Oliveira und Mattia Pasini um die weiteren Podestplätze. Nach zwei Drittel der Renndistanz geriet Lokalmatador Pasini ins Hintertreffen und konnte nicht mehr in den Top-3-Kampf eingreifen. Ab diesem Moment machte Marcel Schrötter Jagd auf Oliveira und somit auf den zweiten Platz. Doch eine Attacke des Deutschen in der letzten Runde glückte nicht ganz. Die Freude über Platz drei und das erste Podium war trotzdem riesengroß.

Ganze 16 Punkte nimmt er aus Italien mit. Damit liegt der 25-Jährige weiterhin auf dem siebten Rang und der Abstand zu Alex Marquez vor ihm schrumpfte auf nur noch sechs Punkte.

Auch Xavi Vierge verteidigte erfolgreich seinen achten Rang in der Moto2-Meisterschaft, indem er im San Marino Grand Prix unglaublichen Kampfgeist bewies. Seine operierte rechte Hand hinderte den 21-Jährigen zwar immer noch, mit voller Kraft anzugreifen, dennoch stürmte er zuerst von Startplatz elf auf sieben vor und überquerte zum Schluss als ausgezeichneter Zehnter die Ziellinie.

In zwei Wochen findet in Aragon vom 21. bis 23. September bereits die vorletzte Runde des Jahres auf europäischen Boden statt. Danach geht es für vier Rennen nach Asien, bevor im November in Valencia das Finale der Saison 2018 stattfindet.

Rennergebnis:
1. Francesco BAGNAIA / ITA / KALEX
2. Miguel OLIVEIRA / POR / KTM
3. Marcel SCHROTTER / GER / KALEX
10. Xavi VIERGE / SPA / KALEX

Marcel Schrötter
Es ist schwer zu verstehen, dass ich endlich mein erstes Podium erreicht habe. Ich weiß nicht, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, aber meine Karriere war immer ein bisschen rauf und runter, seit ich in der Weltmeisterschaft angefangen habe. Ich wusste immer, dass ich schnell sein kann, wenn ich mich sicher fühle und das richtige Paket um mich herum habe. Das habe ich schon letztes Jahr gespürt, als ich in dieses Team kam. Wir waren damals auf einem anderen Motorrad und hatten einige Probleme, aber in diesem Jahr fühlte ich mich von Beginn an viel sicherer. Ich fühle mich immer gut und fast jedes Wochenende waren wir sehr nah dran, aber wir haben es nicht geschafft. Schritt für Schritt haben wir uns herangetastet und heute war endlich der Tag, an dem ich dieses Podium erreichte. Bangnaia war in den ersten Runden unglaublich schnell. Daran muss ich arbeiten, denn dann bin ich mir sicher, dass ich um noch bessere Ergebnisse kämpfen kann. Nach der Hälfte des Rennens kann ich die gleichen Zeiten fahren wie die Spitze. Zum Schluss sah ich, dass ich schneller war als Oliveira und aufgrund früherer Erfahrungen wusste ich, dass er einen anderen Fahrstil und eine bessere Beschleunigung hat. Dem ist nicht so einfach zu folgen und als ich nahe genug war, um zu überholen, habe ich es versucht. Die Entfernung zu Mattia war auch groß genug. Ich habe versucht, es mehr oder weniger sicher zu machen, aber es war schon riskant. Wir haben uns aber nicht berührt. Es hätte klappen können und ich wäre jetzt Zweiter, aber so ist das im Rennsport. Du lernst viel im Rennen, denn im Qualifying fährst du eine Runde lang schnell, aber das Rennen muss anders angegangen werden, auch mental. Es ist gut, jetzt hier zu sein, aber wir wollen näher am Gewinner sein. Ich vermute, das ist die Erfahrung, die man aus dem Rennen mitnimmt. Ich bin wirklich glücklich und danke meinem Team, denn sie machen einen unglaublichen Job, das Motorrad funktioniert immer gut. Jedes Wochenende fühle ich mich gut auf der Kalex und wir haben nie Probleme.

Xavi Vierge
Zu allererst möchte ich meinem Teamkollegen zu dem tollen Wochenende gratulieren. Er und das Team haben großartige Arbeit geleistet, aber für mich war es wirklich ein schwieriges Wochenende. Es war sehr hart, dennoch müssen wir die positiven Dinge mitnehmen. Zu Beginn des Rennens fühlte ich mich in den ersten Runden richtig gut. Ich dachte sogar ich könne mit den Jungs vorn kämpfen. Aber Runde um Runde fing ich an, die ganze Kraft in meiner Hand zu verlieren, und das war schon richtig schwer für mich. Im ersten Teil mit all den Richtungswechseln musste ich meinen Fahrstil anpassen und anders fahren, weil ich nicht runterschalten konnte. Und dann begannen die Probleme. Ich denke aber, wir haben das Wochenende noch ganz gut gerettet. Wir nehmen viel Positives mit und jetzt haben wir zehn Tage, um hart zu arbeiten, damit wir besser werden können.

 

Jürgen Lingg (Team Manager)
Ich freu mich sehr für Marcel und für seine gesamte Crew, die wirklich immer einen Wahnsinns-Job machen. Marcel hat in den letzten fünf, sechs Rennen immer den besten Rhythmus von allen gehabt. Es war letztlich nur eine Frage der Zeit. Das hat er heute wirklich gut gemacht. Mir hat es auch gut gefallen, dass er Oliveira noch attackiert hat, auch wenn das sehr optimistisch war. Aber das zeigt sein Selbstvertrauen, was er mittlerweile hat und auch braucht. Ich denke wenn er in den ersten drei Runden schneller auf Touren kommt, dann kann da schon noch bisschen mehr gehen. Er ist jetzt hungrig und das ist wichtig, Mugello war damals sehr unglücklich und stellt dann auch einen Wendepunkt da, ab welchem er immer ein bisschen Pech hatte. Aber das hat er hinter sich gelassen.
Was Xavi geleistet hat, war unglaublich. Ich habe eigentlich nur erwartet, dass er das Rennen fertig fährt und habe insgeheim gehofft, dass er vielleicht ein, zwei Punkte holen kann. Aber das war einfach außerordentlich. Er ist ein Kämpfer. Es ist schön mit anzusehen, wie er alles gibt, sich immer bemüht und alle nur Mögliche tut. Er verdient meinen höchsten Respekt für das, was er heute abgeliefert hat.

 

Quelle und Bildnachweis:
© Intact GP – F. Glänzel