Moto2: Schrötter in Assen erneut auf Podiums-Jagd

Im Grand Prix der Niederlande kämpfte Marcel Schrötter wiederholt um einen Podestplatz und überquerte zum dritten Mal als Vierter die Ziellinie, während Dynavolt Intact GP-Teamkollege Xavi Vierge beim Versuch, zur Spitzengruppe aufzuholen, leider stürzte.

Auch am Sonntag zeigte sich Assen von seiner sonnigsten Seite. Kräftiger Wind war für die über 100.000 Zuschauer der Dutch TT sicher eine angenehme Abkühlung, zugleich aber auch eine Herausforderung für die Piloten mit ihren Motorrädern auf der Rennstrecke.

Vier Rennen hintereinander gehörte Marcel Schrötter zu den Podiumsanwärtern. Drei hervorragende vierte Plätze konnte er bislang erlangen und bereits dreimal in Folge aus der ersten Startreihe ins Rennen gehen.

In Holland folgte Marcel Schrötter lange Zeit an zweiter Position hinter Rennsieger Francesco Bagnaia. Mit dem Marc VDS-Duo im Nacken, musste er schließlich Alex Marquez den Vortritt lassen. Als kurz darauf auch Lorenzo Baldassarri vorbeizog, begann für Marcel erneut die Jagd aufs Podium. Dabei gelang es dem 25-Jährigen bis zum Schluss, Joan Mir hinter sich in Schach zu halten. Gegen den anbrausenden Fabio Quartararo konnte er allerdings nicht viel ausrichten und erzielte schließlich nach dem Ausfall von Baldassarri wiederholt einen souveränen vierten Platz.

Xavi Vierge auf der anderen Seite beendete das achte Saisonrennen mit einem unglücklichen Sturz. Der 21-Jährige war vom fünften Platz gestartet und pushte am absoluten Limit, um den Anschluss zur Spitzengruppe nicht zu verlieren. Nach einem harten Duell mit Baldassarri passierte ihm in Kurve eins der zehnten Runde ein Fehler und er kam zu Sturz.

Nach diesem Nuller rutschte Xavi Vierge zurück auf den sechsten Moto2-Rang. Auch Marcel Schrötter büßte eine Position in der Gesamtklassifikation ein und kommt nun mit einem 31-Punkte-Vorsprung als WM-Zehnter zu seinem Heimrennen, welches in zwei Wochen vom 13. bis 15. Juli auf dem Sachsenring stattfindet.

Rennergebnis:
1. Francesco BAGNAIA / ITA / KALEX
2. Fabio QUARTARARO / FRA / SPEED UP
3. Alex MARQUEZ / SPA / KALEX
4. Marcel SCHROTTER / GER / KALEX
nc Xavi VIERGE / SPA / KALEX

Marcel Schrötter
Bagnaia ist wirklich von der ersten Runde an einen perfekten Strich gefahren. Es waren ein, zwei Ecken dabei, wo er schneller war als ich und ich habe immer versucht, an anderen Stellen der Strecke aufzuholen. Für ein paar Runden konnte ich das einigermaßen halten. Bis Marquez kam. Ich bin aber auch dann problemlos gut mitgekommen. Nach zwei bis drei Runden habe ich gemerkt, dass es schwieriger wurde. Spätestens ab den letzten zehn Runden bekam ich richtige Probleme mit der Traktion. Vor allem aus Sektor drei heraus, in den Kurven 10 und 11 vor der Gegengeraden, konnte ich kaum den Kurvenspeed halten und hatte dementsprechend nicht die nötige Beschleunigung. Noch dazu war es extrem windig, windiger als die letzten zwei Tage. Ich hab versucht, den Abstand irgendwie zu halten, bis zum Schluss Quartararo überholte. Er hatte deutlich weniger Verschleiß mit seinen Reifen und konnte sehr enge Linien fahren, besonders in den langen Kurven in Sektor eins, wo ich überhaupt nicht hinterherkam. Er hatte das bessere Motorrad auf die Distanz. Ich war zwar super happy mit meinem Bike, aber es ist natürlich enttäuschend, dass er die Pace halten konnte und wir drei Zehntel langsamer geworden sind. Dennoch, wir sind dran und werden weiter machen. Wir leisten momentan super Arbeit übers Wochenende und im Rennen, aber natürlich ist es etwas ärgerlich, wenn man wieder ’nur‘ den vierten Platz holt. In zwei Wochen ist Sachsenring und dort greifen wir erneut an!

Xavi Vierge
Zuerst möchte ich mich beim Team entschuldigen, weil ich einen Fehler gemacht habe. Ich bin sehr enttäuscht, weil wir so hart arbeiten, aber den letzten Rest nicht finden. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wo dieser kleine Schritt ist. Ich habe mich sehr angestrengt, aber ich verlor viel Zeit aufgrund der Traktion und im Kurveneingang. Ich musste alles auf der Bremse wieder gutmachen. Ich versuchte, ruhig zu bleiben und die Fahrer vor mir einzuholen, aber ich war die ganze Zeit am Limit und hatte viele Momente, in denen ich fast stürzte. Schließlich konnte ich den Sturz nicht mehr abfangen. Es war mein Fehler, denn ich sah die Vordergruppe und wusste auch, dass ich nicht den gleichen Rhythmus hatte wie sie. In den letzten Rennen fühlte ich mich ähnlich, also wollte ich heute so nah wie möglich hinter der Spitze ins Ziel kommen. Aber wenn wir um die Meisterschaft kämpfen wollen, ist das nicht der richtige Weg. Wir müssen jetzt hart arbeiten, um den Schritt zu finden, den wir im Vergleich zum Rest vermissen. Ich hoffe, dass wir für das nächste Rennen mehr bereit sind, unser Ziel zu erreichen.

Jürgen Lingg (Team Manager)
Die Luft da vorne ist dünn. Doch wir sind nicht hier, um nur mitzufahren, sondern wir wollen etwas erreichen. Und dafür muss man ein gewisses Risiko eingehen. Xavi hat alles probiert. Er hatte generell ein schwieriges Wochenende. Er wollte den Anschluss nicht verlieren, sah die Spitze und wollte dran bleiben. So ein Sturz kann passieren.
Marcel ist ein starkes Rennen gefahren. Man konnte keine Fehler ausmachen und er kämpfte permanent in der Spitzengruppe. Der Ausgang war etwas unglücklich, aber ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung. Er hat sich wieder gesteigert im Vergleich zu den letzten Rennen. Zum Schluss bekam er Probleme mit dem Grip hinten, hat das aber gut verwaltet und Joan Mir in Schach gehalten. Mit etwas Glück fährt er aufs Podium. Es war eine starke Performance über das ganze Wochenende. Wir können stolz sein und darauf müssen wir aufbauen. Uns fehlt noch eine Kleinigkeit, aber die finden wir noch, wenn wir so weitermachen.

 

Quelle und Bildnachweis:
© Intact GP – F. Glänzel