Lüthi sichert Platz vier und wichtige Punkte & harter Spanien-GP für Schrötter

Dynavolt Intact GP-Pilot Tom Lüthi fährt in Jerez ein kontrolliertes Rennen und nimmt wertvolle 13 Punkte mit nach Hause. Marcel Schrötter fuhr nach einem schwierigen Wochenende des Gran Premio von Spanien als 15ter ins Ziel.

Nach einem bewölkten Sonntagvormittag, konnten sich die Motorrad-Fans, die in Scharen zum Circuito de Jerez-Angel Nieto angereist kamen, über eine heiße andalusische Sonne und nervenzerreißende Renn-Action freuen.

Es war ein turbulenter Start für die Moto2-Klasse. Schon nachdem das Feld durch die erste Kurve gerast war, musste aufgrund einer Massenkarambolage abgebrochen werden. Der vierte Saison-Lauf 2019 wurde daraufhin als 15-Runden-Rennen neu-gestartet.

Tom Lüthi beendete das Warm-Up mit der zweitschnellsten Zeit und nahm später mit einem guten Gefühl auf Startplatz acht für den Gran Premio de España Aufstellung. Der Schweizer legte zwei Raketen-Starts hin und hängte sich von Anfang an an die Fersen des Spitzen-Duos mit Lorenzo Baldassarri und Augusto Fernandez. Erst in Runde acht musste er Pole-Setter Jorge Navarro den Vortritt lassen. Fürs Podium reichte es daher dieses Mal nicht ganz für Tom Lüthi, aber dank des vierten Platzes und den gewonnenen 13 Punkten zog er in der WM auf den zweiten Rang vor. 17 Punkte trennen ihn nun von Jerez-Sieger Baldassarri.

Bei Marcel Schrötter kamen in Jerez mehrere Kleinigkeiten zusammen, die ihm das Wochenende erschwerten. Doch am Sonntagvormittag war der 26-Jährige ähnlich schnell unterwegs wie sein Teamkollege, dann musste er aber im Warm-Up einen kleinen Sturz hinnehmen. Im Rennen konnte er beim Start sogar bis Platz sieben vorschießen, doch gleich im Anschluss kam ihm Brad Binder in die Quere und er büßte die gewonnen Positionen leider wieder ein. Es war ein hartes Rennen für den Bayern, der am Ende wenigstens auf Platz 15 einen Punkt mitnehmen konnte. In der WM rutschte er damit auf den dritten Rang.

UPDATE: Kurz nach dem Rennen lies Marcel Schrötter, der schon das gesamte Wochenende humpelte, seinen linken Fuß röntgen. Am Dienstag hatte sich der Intact GP-Pilot diesen beim Trial-Training angeschlagen. Dadurch, dass er beim Fahrrad-Fahren überhaupt keine Schmerzen spürte, sondern nur beim Laufen, vermutete er lediglich eine Prellung. Die Untersuchung ergab jedoch immerhin zwei gebrochene Zehen. Sicherlich auch ein Grund, warum das Wochenende nicht 100% rund lief für den derzeit WM-Dritten. Laut Ärzten sollte sich die Verletzung unproblematisch verhalten. Somit will Marcel Schrötter sogar probieren, am privaten Test, den der Memminger Rennstall am kommenden Dienstag und Mittwoch in Aragon abhält, teilzunehmen.

Bis zum Le Mans-Grand-Prix vom 17. bis 19. Mai will die Moto2-Mannschaft dann wieder mit voller Kraft bereit sein.

Rennen:
1. Lorenzo BALDASSARRI / ITA / KALEX
2. Jorge NAVARRO / SPA / SPEED UP
3. Augusto FERNANDEZ / SPA / KALEX
4. Thomas LUTHI / SWI / KALEX
15. Marcel SCHROTTER / GER / KALEX

WUP:
1. Alex MARQUEZ / SPA / KALEX – 1’41.582
2. Thomas LUTHI / SWI / KALEX – 1’41.596 (+0.014)
3. Remy GARDNER / AUS / KALEX – 1’41.800 (+0.218)
10. Marcel SCHROTTER / GER / KALEX – 1’42.103 (+0.521)

Weltmeisterschaft-Wertung:
1. BALDASSARRI Lorenzo / ITA / 75
2. LUTHI Thomas / SWI / 58
3. SCHROTTER Marcel / GER / 48
4. NAVARRO Jorge / SPA / 44
5. GARDNER Remy / AUS / 38
6. MARQUEZ Alex / SPA / 36
7. MARINI Luca / ITA / 35
8. FERNANDEZ Augusto / SPA / 27
9. BASTIANINI Enea / ITA / 26
10. BINDER Brad / RSA / 25
11. LECUONA Iker / SPA / 19
12. LOWES Sam / GBR / 19
13. NAGASHIMA Tetsuta / JPN / 17
14. VIERGE Xavi / SPA / 16
15. LOCATELLI Andrea / ITA / 16

Team-Klassifikation:
1. FLEXBOX HP 40 / 115
2. DYNAVOLT INTACT GP / 106
3. ONEXOX TKKR SAG TEAM / 55
4. HDR HEIDRUN SPEED UP / 53
5. EG 0,0 MARC VDS / 52
6. SKY RACING TEAM VR46 / 42
7. ITALTRANS RACING TEAM / 42
8. RED BULL KTM AJO / 27
9. AMERICAN RACING KTM / 19
10. FEDERAL OIL GRESINI MOTO / 19
11. TASCA RACING SCUDERIA M / 8
12. NTS RW RACING GP / 8
13. IDEMITSU HONDA TEAM ASIA / 6
14. MV AGUSTA IDEALAVORO FO / 5
15. PETRONAS SPRINTA RACING / 3

 

Tom Lüthi
Ich bin sehr froh über die 13 Punkte, die ich mir heute sichern konnte. Wir haben wirklich eine gute Arbeit gemacht über das Wochenende. Es war nicht ganz so einfach. Der Abstand war zwar immer eng, aber wir waren trotzdem nicht ganz da, wo wir sein wollten. Ich habe mich heute mit zwei sehr guten Starts in eine gute Ausgangslage katapultiert. Zum Schluss hat es heute nicht ganz gepasst. Ich hatte Probleme mit dem Vorderrad und war nicht ganz in der Lage, anzugreifen. Dieser vierte Platz ist verdammt wichtig für die Meisterschaft. Dadurch, dass ich den Vorderreifen heute nicht so nutzen konnte, musste ich ziemlich aggressiv aufziehen und habe damit viel Hinterreifen verbraucht. Ich dachte mir schon, dass es dann zum Schluss nicht ganz reichen könnte und so ist es auch gekommen. Ich stand viel quer und hatte viel Spinning und musste irgendwie den vierten Platz nach Hause bringen. Und das habe ich geschafft

 

Marcel Schrötter

Wir hatten uns schon ein bisschen mehr erwartet dieses Wochenende. Am Freitagnachmittag war ich Erster, das zeigt, dass wir das Potenzial gehabt hätten. Aber seit dem Qualifying ist es nicht mehr in die richtige Richtung gelaufen. Heute Morgen im Warm-Up hatte ich zwar noch diesen Ausrutscher, ohne Vorwarnung, aber wir dachten, dass wir etwas gefunden haben, was uns wieder weiter vor bringt. Ich konnte dem Pole-Setter ziemlich gut hinterher fahren, hatte einen guten Start und konnte am Anfang auch ein paar Positionen gut machen. Doch dann kam mir mal wieder (Brad) Binder dazwischen. Er war viel zu aggressiv und ich musste weit gehen. Ich war zwar heute selber nicht schnell genug, aber ohne diesen Zwischenfall hätte ich mich vielleicht ein paar Runden auf Platz sechs oder sieben halten können und bis zum Schluss mit den Leuten da kämpfen können. Es ist sehr ärgerlich, wenn so etwas passiert, wenn schon das restliche Wochenende nicht so gut gelaufen ist. Wir müssen das jetzt abhaken und aus der ganzen Sache lernen und es das nächste Mal wieder besser machen.

Sicher kamen am Wochenende mehrere Dinge zusammen. Nach dem Rennen habe ich meinen Fuß untersuchen lassen und leider habe ich mir wohl beim Trial-Fahren am Dienstag zwei Zehen gebrochen. Ich hatte zwar Schmerzen beim Gehen, aber Fahrrad-Fahren ging zum Beispiel problemlos. Darum wollte ich es nicht an die große Glocke hängen. Ich denke trotzdem, dass heute viel mehr möglich gewesen wäre. Das ist schade. In Aragon werde ich versuchen, zu testen. Wir müssen aber schauen, wie es funktioniert oder ob ich den Fuß lieber bis Le Mans ruhen lasse.

 

Jürgen Lingg (Team Manager)
Wir haben schon vorher gewusst, dass es in Jerez nicht einfach werden würde. Bereits während der vielen Tests hier im Winter waren wir nicht unbedingt überragend. Dann kam noch das große Fragezeichen mit den neuen Reifenkonfigurationen dazu. Wir wussten noch nicht so richtig, was auf uns zukommt. Damit haben wir auch ein bisschen zu lange gebraucht. Letztendlich war dann aber für Sonntag alles okay, speziell bei Tom. Der hat heute einen super Job gemacht. Er hat das Maximum aus sich herausgeholt. Genauso muss man das machen, wenn es mal an einem Wochenende nicht so gut läuft. Da ist es wichtig, so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Daher bin ich mit Tom’s Rennen voll zufrieden. Bei Marcel war es heute wirklich schade. Wir haben gewusst, dass es nicht einfach werden würde, aber wir hatten uns mehr erwartet. Doch dann musste er weit gehen bei einer Attacke von Binder und hat viele Positionen verloren. Vielleicht spielte auch seine Fußverletzung eine Rolle, warum er nicht auf seinen Speed kam. Jetzt müssen wir genau analysieren, was alles schief gelaufen ist. Wir fahren anschließend zum Testen nach Aragon und werden versuchen, wieder eine ähnlich gute Balance zu finden wie wir sie vor Jerez hatten.

Quelle und Bildnachweis:
© Intact GP – F. Glänzel powered by Nikon